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Slash – Harry Potter

Fankulturen entstanden bereits „gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext des amerikanischen Konzert- und Opernbetriebs“ (Krewani 2012: 233). Während Fanaktivität lange Zeit nur in Fanclubs Ausdruck fand, bietet das Internet heutzuta-ge nahezu grenzenlose Möglichkeiten (vgl. Krewani 2012: 233). Zu beinahe jeder Geschichte aus Fernsehserien, Filmen oder Büchern gibt es unzählige Blogs, Fo-ren und Fanseiten.
Die verschiedenen Fangruppierungen sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während manche Fankulturen klein sind und nur wenige Begeisterte umfassen, sind andere, wie etwa der Kult um die Film- und Fernsehserie „Star Trek“ sehr ver-breitet (vgl.Krewani 2012: 234). Auch die Buch- und Filmreihe „Harry Potter“ stieß von Anfang an auf viel Anklang.
Einen zentralen Bestandteil der Fankulturen macht die Productivity/ Participa-tion aus. Dabei werden die Fans selbst produktiv und erstellen weitere Bedeu-tungsproduktionen zu Filmen, Büchern oder Serien (vgl. Krewani 2012: 234). Ne-ben Fankunst und Fanaktivismus, können Fans vor allem in der Fanfiction kreativ werden. Fanfiction meint die Erstellung neuer Geschichten, welche auf „pre-existing characters and settings from a literary or media text“ (Tosenberger 2008: 185) zu-rückgreifen. Ihre Geschichten veröffentlichen die Autoren anschließend häufig im Internet.1 Mittels Fanfiction können die Fans von der originalen Vorlage abweichen und beispielswese das Ende nach ihren Vorstellungen umschreiben. Auch romanti-sche Beziehungen zwischen den Charakteren sind ein beliebtes und verbreitetes Thema.
Dabei kommt es häufig auch zu homosexuellen Romanzen. Diese werden als Slash bezeichnet. „The term “slash“ arose in Star Trek fandom in the 1970s, refer-ring to the punctuation mark separating the character’s names (Kirk/ Spock)“ (Tos-enberger 2008: 186). Während slash weithin für gleichgeschlechtliche Beziehungen verwendet wird, wird der Ausdruck teilweise auch für andere (etwa heterosexuelle) Paarungen genutzt (vgl. Tosenberger 2008: 186). Vor allem unter Harry Potter Fans ist Slash ein weit verbreitetes Phänomen:
„Potter fandom, due in part of its sheer size, but also to the great diversity of ages and sexual orientations of its members, is ideal ground for exploring many varieties of non-heteronormative discourses in fandom. Slash is there-fore one of the most popular genres of Potter fanfiction” (Tosenberger 2008: 186).
Buddyslash, Enemyslash und Femslash sind die gängigsten Formen des Slash. Buddyslash umschreibt jene Beziehung, die zwei Freunde, beispielsweise Harry Potter und Ron Weasley, entwickeln. Beim Enemyslash hingegen können zwei Feinde ihre Differenzen überwinden, etwa Harry Potter und Draco Malfoy. Die Paarung Hermione Granger und Ginny Weasley ist ein Beispiel für Femslash, also einer gleichgeschlechtlichen Liebe zwischen zwei Frauen (vgl. Tosenberger 2008 191f.).
Die Geschichte um Harry Potter scheint aufgrund der vielen Charaktere prä-destiniert für Neukonstellationen bezüglich romantischer Beziehungen. Die Autorin J. K. Rowling selbst inspirierte die Fans dazu, indem sie den Zauberer Dumbledore unterschwellig als homosexuell beschrieb. Während einige Fans dies schon lange ahnten, wehrten sich andere gegen die Vorstellung. Letztlich bestätigte Rowling Dumbledores Homosexualität. Rowling habe “immer gedacht, dass Dumbledore schwul ist” (Rowling zit. nach Streitz 2007). Dabei bleibt es fraglich, ob Rowling den Charakter Dumbledore außerhalb des Buches als homosexuell outen kann. Einer-seits ist es eine Hintergrundinformation für die Fans und trägt vermutlich nicht ex-plizit zum Geschehen bei. Allerdings wenn die Autorin so genaue Vorstellungen über die sexuellen Vorlieben des Charakters hat, kann sie dies auch deutlich schreiben.
Die enorme Beliebtheit des Slash in der Harry Potter Fankultur könnte an der hohen Zahl der Mitglieder liegen. Wie oben erwähnt, zählen Menschen unterschied-lichen Altersgruppen und sexueller Orientierung zu den Harry Potter Fans.
„The enormous number of people participating in the online fandom almost guarantees that however outré your fanfictional desires, someone will share them—and will have written a story, or be willing to read yours”(Tosenberger 2008: 191).
So ist es letztlich jedem Fan möglich, eine Nische zu finden, in der die per-sönlichen Interessen bedient werden.
Während romantische oder erotische Fanfiction früher nur Erwachsenen zu-gänglich war, etwa über E-Mail-Verteiler, haben durch die öffentlichere Verbreitung im Internet heute auch Teenager Zugang zu solcher Fan-generierter Literatur. Das macht sie natürlich nicht nur zu Lesern, sondern auch zu Schreibern. „Teens have unprecedented license not only to read stories that might not meet with adult ap-proval, but also to write and distribute them“(Tosenberger 2008: 188). Dabei sind oftmals Frauen die Verfasser von Slash-Fanfiction (vgl. Tosenberger 2008:189).
Natürlich ist Slash nicht nur unter Harry Potter Fans verbreitet, allerdings stellt die Geschichte viele Charaktere zur Verfügung, aus denen neue Paarungen erstellt
werden können. Darüber hinaus ist es nahezu jedem Fanfiction-Autor, aufgrund der großen Fangemeinschaft, möglich, Gleichgesinnte zu finden. Die Geschichte des Zauberers bietet so nicht nur Slash-Autoren, sondern jedem Verfasser von Fanfic-tion, fast grenzenlose Möglichkeiten.

Lisa Roßmann

Literaturverzeichnis:
1. Tosenberger, Catherine: Homosexuality at the Online Hogwarts: Harry Potter Slash Fanfiction. In: Children’s Literature, Volume 36, 2008, S. 185-207.
2. Krewani, Angela: Fankulturen im Web 2.0. In: Dörner, Andreas/ Vogt, Ludgera (Hrsg.): Unterhaltungsrepublik Deutschland – Medien, Politik und Entertainment. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 2012. S. 233-245.
3. Streitz, Matthias: Zauberer-Outing – Dumbledore ist schwul. In: Spiegel Online. 20.10.2007 URL: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/zauberer-outing-dumbledore-ist-schwul-a-512613.html (Stand: 04.03.2015)