Getting LOST in Crossover – Geht den Serienfans der Stoff aus?

Die beliebte TV-Serie ‘LOST’, die von 2005 bis 2010 ausgestrahlt wurde, zeigt sich trotz Serienende transmedial noch immer aktuell. Besonders im Medium der Fanfiction hat sich das Fandom stark etabliert und wird von den Fans noch heute lebendig gehalten. Die Fanfictions, die zur Zeit der Ausstrahlung der Serie geschrieben wurden, entstanden meist im Zusammenhang mit Spekulationen über den Fortgang der laufenden Serie sowie alternativen Ideen, wenn die Autoren die Fans mit der Serienhandlung nicht zufrieden gestellt hatten. Doch auch weit nach Ende der Serie versorgen sich die Fanautoren noch immer gegenseitig mit neuen und kreativen Geschichten rund um ihre Serienlieblinge. Dabei spielen nicht nur mögliche Neben- und Zusatzstories, sowie alternative Enden, sondern gar Vermischung mit komplett anderen Fandoms und deren Charakteren eine Rolle.

Diese sogenannten „Crossover“, auf deutsch sinngemäß „Handlungsüberschneidungen“, kommen in allen Fandoms vor. Dabei treffen zwei von einander unabhängige Fandoms, egal ob Fernsehserie, Film oder literarische Vorlage wie Comics, aufeinander. In einer gemeinsamen Geschichte sind verschiedene Charaktere, Handlungsorte oder andere einzigartige Elemente der Fandoms verbunden. Werden nicht nur zwei Universen miteinander verwoben, so nennt man dieses Zusammenkommen von noch mehr Welten „Multicrossover“.

Im Falle der TV-Serie ‘LOST’ rangieren bei den Crossover andere Mystery- und Fantasy-Serien, vereinzelt auch Filme, ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Die Fans sehen ihre Serienlieblinge besonders gerne im Verbindung mit Supernatural, Vampire Diaries, Buffy und Harry Potter. Doch woran liegt das? Grund hierfür kann sein, dass es leichter fällt, zwei Serien zu verbinden, die dem selben Genre entspringen. Bei Crossover ist es nicht nur entscheidend, dass die Charaktere aus den verschiedenen Fandoms zusammenkommen. Für ein glaubwürdiges und gutes Crossover braucht es eine Verstrickung der Handlung und Hintergründe. Zwar können generell Handlungsorte und Personen aus allen Fandoms miteinander kombiniert werden, der Fantasie des Autors sind schließlich keine Grenzen gesetzt. Die Figuren und Welten sollten aber kompatibel sein und dem Leser eine logische, theoretisch mögliche Geschichte erzählen, so könnte beispielsweise der Doctor aus Doctor Who mittels der Tardis in Hogwarts landen. LOST bietet durch seine Mystery-Elemente sowie durch seine Platzierung in der uns bekannten heutigen Welt genug Ansatzpunkte, um mit verschiedensten Fandoms kombiniert zu werden.

Warum entscheiden sich die LOST-Fans, ihr Fandom mit einem anderen zusammen zu tun? Eines ist auffällig: Die meisten Crossover zu LOST entstanden erst nach Ende der Serienausstrahlung. Allein auf der weitreichenden Plattform von Fanfiction.net wurden über 60% der Crossover nach Ende der Serie geschrieben und veröffentlicht. Davor wurden pro Jahr nur vereinzelt Crossover veröffentlicht.

Heißt das, die Fans haben inzwischen alle ihre Ideen zur Serie selbst aufgebraucht? Sind alle alternativen Enden geschrieben, alle möglichen Nebengeschichten erzählt und alle erdenklichen Pairings erprobt? So pauschal kann man das nicht sagen. Aber es zeichnet sich ein deutliches Bild ab. Eventuell suchen die Fans inzwischen einfach neue Herausforderungen. Crossover gelten in der Szene nämlich allgemein als relativ schwieriges Genre. Es wirft Fragen auf, ob sich die Charaktere ergänzen können, einander ebenbürtig sind, ja ob sie überhaupt gleichzeitig existieren können. Zu bedenken ist, wie die einzelnen Figuren aufeinander und bestimmte Situationen reagieren. Hier scheiden sich oft die Geister und Geschmäcker. Viele Fans, nicht nur von LOST, sind gegen Crossover. Diese bergen die Gefahr, dass die Charaktere „verfälscht“ werden, nicht so handeln und fühlen, wie es mancher Fan erwarten würde. Trotz aller Vorwürfe gegen diese Autorenfreiheit, der Trend, wie schon erwähnt, geht bei den LOST-Fans in Richtung Crossover. Egal, ob nun Sam und Dean Winchester mit Oceanic Flug 815 auf der Insel landen oder sich die LOST-Charaktere in Hogwarts wieder finden, die LOST-Fans erproben neue Wege, die Zuneigung zu ihrer Serie und deren Charakteren auszudrücken. Diese Art von neuer Herausforderung für die Fan-Autoren zeigt sich häufig in Fanfiction-Wettbewerben. Eine Großzahl dieser Contests steht unter dem Motto des Crossover. Warum auch nicht, schließlich gibt es hier noch schier unendliche Möglichkeiten für die Autoren. Sie müssen ihre Sache nur gut genug machen. Crossover werden zwar gerne geschrieben, viele freudige Leser finden sie unter den Fans allerdings nicht immer. Hier tritt wieder der bereits angesprochene Faktor der Authentizität von Handlung und Charakter zu Tage. Das Gesamtkonzept muss einfach stimmen, um eine gute Geschichte zu ergeben. Weiterer Faktor ist auch, dass Crossover zwei oder mehr Fandoms enthalten. Man muss zwar, um die Fanfictions zu lesen, nicht zwingend beide Fandoms mögen, geschweige denn kennen, aber es ist für die Annehmlichkeit des Lesens auch nicht unbedingt unerheblich. Mit Supernatural, Harry Potter und Co. wenden sich die LOST-Fans bislang am liebsten an ebenfalls beliebte Fandoms. Vielleicht ein Vorteil, Crossover scheinen vermehrt etwas für hartgesottene Fans zu sein, die sich gut in zwei oder mehr Fandoms auskennen müssen.

Die Frage, warum Crossover so beliebt geworden sind bei den LOST-Fans, besonders das Schreiben solcher, kann man folgendermaßen versuchen zusammenfassend zu beantworten:

LOST als die eigentliche Serie bietet den Fans wirklich keinen neuen Stoff mehr im Sinne einer weiterlaufenden Geschichte. Man kann nicht mehr viel spekulieren, auch alternative Enden sind inzwischen bald ausgeschöpft. Als Lösung für dieses Problem und neue Herausforderung für die Serienfans, die, trotz Ende der Serie 2010, noch immer an eben dieser hängen, sind Crossover bestens geeignet. Allein durch den Flugzeugabsturz in der Serie wird den Fans eine einfache und effektive Möglichkeit geboten, andere Fandoms in ihr Fandom einzubringen. Der Trend kann also noch eine ganze Weile weiter gehen, besonders, da es im Netz genügend hilfreiche Anleitungen gibt, wie man ein Crossover am besten schreibt. Es ist also zu erwarten, dass die Qualität der Crossover steigt, die Fans mehr von ihnen lesen und dementsprechend noch mehr Crossover geschrieben werden. Immerhin bietet das Schreiben von Crossover ja wirklich unbegrenzte Möglichkeiten. In ein paar Jahren finden sich so eventuell immer noch einige neue Fanfictions zu der dann schon „verjährten“ TV-Serie LOST, bei denen sich die Fans dann mit eigenem, neuen „Stoff“ versorgt haben.

Kategorien von Fanfiction im Tolkien-Universum

J.R.R. Tolkiens Werke rund um das Schicksal Mittelerdes (The Lord of the Rings, The Hobbit, The Silmarillion) erfreuen sich größter Beliebtheit, wenn es um sogenannte Fanfiction[1] im Web 2.0 geht. Unter Fanfiction versteht man in der Regel von Fans eines literarischen Werkes verfasste Geschichten, die die Handlung des Werks beispielsweise erweitern, verändern oder gar neue Handlungsstränge entwickeln. Fanfiction  bezieht sich zwar häufig auf literarische Werke, doch kann sie ebenso an Filme, Videospiele oder gar real existierende Personen (zum Beispiel Schauspieler) anknüpfen.                                                                                                            Fanfiction im Tolkien-Universum ist eines der am weitesten verbreiteten Fanfiction-Phänomene im Internet. Es gibt zahlreiche Seiten und ebenso zahlreiche Arten beziehungsweise Kategorien von Texten, von denen einige in diesem Essay kurz vorgestellt werden sollen. Festzustellen ist, dass neben englischsprachigen Werken ebenfalls eine beeindruckende Zahl deutschsprachiger Fanfiction existiert. So beinhaltet alleine die Website fanfiktion.de beispielsweise 6168 von Fans verfasste Geschichten aus allen Fandoms. Eine der größten englischsprachigen Websites, die eine Plattform speziell für Tolkien-Fanfiction bietet, ist lotrfanfiction.com. Auf ihr wurden insgesamt 4496 Geschichten von 1224 Autoren veröffentlicht. Auf der Seite werden die Werke direkt in verschiedene Kategorien eingeordnet, die sich so ebenfalls auf vielen weiteren Plattformen wiederfinden lassen.                                   Die umfangreichste Kategorie nennt sich ‚Book-verse‘. Sie beinhaltet Geschichten, deren Inhalt zu den Stories der oben genannten Werke passen muss. So können Handlungsstränge entwickelt werden, die sich parallel zu denen der Bücher abspielen, die mit ihnen verwoben sind oder in einer völlig anderen Zeit spielen. Eine ähnliche Kategorie stellt ‚Movie-verse‘ dar: Die dieser Kategorie zugeordneten Werke beziehen sich auf den Inhalt der Filme und passen sich diesem an. Diese Kategorie existiert, da der Inhalt der Filme sich (in geringem Umfang) von dem der Bücher, auf denen sie basieren, unterscheidet. In der Kategorie ‚Crossovers‘ wird Tolkiens Welt mit anderen fiktiven Welten aus Büchern, Filmen o.ä. kombiniert. So könnten beispielsweise Figuren aus The Lord of the Rings in den galaktischen Krieg aus der Star Wars-Saga verwickelt werden.                                                                                                      Eine Kategorie, die sich auch in vielen Listen von Kategorien auf verschiedensten Websites zum Thema Fanfiction findet, beinhaltet sogenannte ‚Slash-Literatur‘. Auf lotrfanfiction.com nennt sie sich konkret ‚Book Verse Slash‘ oder auch ‚‘Lord of the Rings Slash‘. Erstgenannte beinhaltet auf Tolkiens Bücher bezogene Geschichten, die sich mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften der Figuren befassen. Bei deren Inhalt kann es sich um Liebesbeziehungen oder „nur“ um erotische oder sexuelle Aktivitäten handeln. Zweitgenannte Kategorie beinhaltet Geschichten, die sich nur auf Charaktere aus The Lord of the Rings beziehen, wobei nicht explizit erwähnt wird, ob damit nur die Bücher oder auch die Spielfilme gemeint sind. Beide Kategorien umfassen knapp 400 Texte. Interessant ist, dass es keine Kategorie speziell für Geschichten rund um heterosexuelle Paarungen der Figuren gibt. Die letzte nennenswerte Kategorie lautet ‚Actor Fics‘, welche ebenfalls häufig auftritt. Ihr wird Fanfiction zugeordnet, die sich mit den realen Personen (Schauspielern) hinter den fiktiven Figuren der Filme befasst. Die Inhalte der Werke können sich in unterschiedlichsten Zeiten abspielen und ebenfalls unterschiedlichste Handlungen erzählen, von hetero- und homosexuellen Liebschaften über Erzählungen aus dem Alltag bis hin zu der Teilnahme der Schauspieler an historischen Kriegen oder ähnlichem. Betrachtet man die Zusammenfassungen zahlreicher Werke aus allen Kategorien, so wird das Gefühl vermittelt, dass es nichts gibt, worüber nicht schon geschrieben wurde. Ebenfalls häufig findet man Fanfiction-Wettbewerbe. Auf der in diesem Essay thematisierten Website hat es im Laufe der Jahre alleine 144 ‚Challenges‘ gegeben, an denen insgesamt 69 verschiedene Fanfiction-Verfasser teilgenommen haben. Den Teilnehmern werden meist Begriffe vorgegeben, die sie in ihrer Geschichte thematisieren müssen. Andere Möglichkeiten der Aufgabenstellung existieren selbstverständlich ebenfalls.

Die Betrachtung der Kategorien eröffnet einige interessante Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Herangehensweise beziehungsweise wissenschaftliche Fragestellungen. So könnte hinterfragt werden, warum ausgerechnet die genannten Kategorien immer wieder auftreten mit einem konkreten Blick auf das häufige Auftreten der ‚Slash-Kategorien‘. Außerdem könnte man die für das Tolkien-Universum typischen Kategorien von Fanfiction mit denen anderer populärer Medieninhalte vergleichen, wie dem Star Trek-, Star Wars- Harry Potter- oder Twilight-Universum, wodurch sich eventuell für die erste Fragestellung relevante Erkenntnisse ergeben könnten. Es könnte ebenfalls hinterfragt werden, ob Fanfiction die Originalwerke der Autoren erweitert oder ob man sie separat betrachten muss.

[1] Wird im Deutschen häufig Fanfiktion geschrieben.

Crossover und Constructed Reality in Fanvidding zur Serie “Lost”

Im Folgenden möchte ich ein von mir ausgewähltes Fan-Video “If I Lay Here || Lost Fanfic Promo || Boone&Riley”, auch bekannt unter dem engl. Begriff „Fanvidding”, zur US-amerikanischen Serie “Lost” auf seine Merkmale des Crossover und Constructed Reality untersuchen, in Anlehnung des Blogeintrags “How to Watch a Fan-Vid” von Henry Jenkins, der das Phänomen von Musik- und Fan-Videos am konkreten Beispiel eines Star Trek Vidding (“Star Trek + Nine Inch Nails = Closer”) untersucht. In diesem wird, durch die Darstellung einer homosexuellen Liebe zwischen Spock und Kirk, eine sogenannte Constructed Reality (“Konstruierte Wirklichkeit”) erschaffen.

In Medien generell, und auch auf Fanvidding bezogen, bezeichnet Crossover (“Handlungsüberschneidung”) das Auftreten zweier oder mehrerer Figuren, Handlungsorte oder anderer Elemente aus voneinander unabhängigen Werken in einer Geschichte. Crossover können in Fernsehserien oder Comics auftauchen, doch auch im Bereich Fanfiction und Fanvidding bietet die Überschneidung den Fans viele Möglichkeiten, ihre Ideen und Kreativität schriftlich und visuell umzusetzen. Durch die technische Weiterentwicklung haben sich besonders die Möglichkeiten für das Erstellen und Gestalten von Fan-Videos stark verändert. Dank der heute existierenden, modernen digitalen Mittel können selbst Crossover Videos, trotz zusammengewürfelter Ausschnitte verschiedener Serien oder Filme erzählerisch glaubwürdig aufgehen.

Durch Fanvidding haben die Fans generell die Möglichkeit, durch ausgewähltes Szenenmaterial und Unterlegung bestimmter Musik, Aspekte des Originals neu oder anders zu beleuchten oder gar neue Aspekte entstehen zu lassen. So ist es zum Beispiel sehr beliebt, zwischenmenschliche Beziehungen der Charaktere zu verändern und somit eine vom Fan gewünschte Romanze zwischen zwei Figuren entstehen zu lassen.
Im Beispiel von “Closer” handelt es sich zwar um eine Constructed Reality, nicht jedoch um ein Crossover, denn es werden lediglich verschiedene Ausschnitte innerhalb der Serie „Star Trek“ zusammengestellt, um die gewünschte Illusion zu kreieren (anders als beim Crossover, bei dem sich die Macher der Videos verschiedener Filme und Serien, in manchen Fällen auch an pornografischem Filmmaterial, für ihren Zusammenschnitt bedienen). Umso mehr Filmmaterial, in dem der selbe Schauspieler/Schauspielerin mitwirkt, vom Fan verwendet werden kann, desto mehr Spielraum und Möglichkeiten hat er, um die gewünschte Darstellung zu erzielen und glaubwürdig wirken zu lassen.

Das Verwenden von Crossovern bietet demnach nicht nur die Möglichkeit, fremdes Material in den Kontext des Originals einzubetten und somit Handlungsstränge und Beziehungen zu verändern, sondern ermöglicht ebenfalls, eine romantische Beziehung zwischen zwei Figuren unterschiedlicher Serien und Filme entstehen zu lassen.
–> Beispiel (Crossover): “Now or never – Damon/Kate (TVD/Lost)”. Hier wird die romantische Beziehung zwischen dem “Lost”-Charakter Kate und der “Vampire Diaries”-Figur Damon, deren Schauspieler Ian Somerhalder ebenfalls eine Rolle in “Lost” (Boone) verkörpert, dargestellt.

Ein anderes Beispiel, das im Rahmen der Serie “Lost” unter die Kategorie Constructed Reality (als auch Crossover) fällt, ist ein Fan-Video, in dem ein komplett neuer Charakter erschaffen und der Serie hinzugefügt wird: “If I Lay Here || Lost Fanfic Promo || Boone&Riley” (2.227 Aufrufe). Das Video basiert auf der Geschichte einer, aus zehn Kapiteln bestehenden, Fan-Fiction (36 Follows).

Hier wird die Figur Riley neu erschaffen, die ebenfalls an Bord des Oceanic Fluges 815 steigt und durch den Absturz der Maschine gemeinsam mit den anderen Überlebenden auf der Insel landet. Zwischen ihr und der Serienfigur Boone (gespielt von Ian Somerhalder) entwickelt sich eine schicksalhafte romantische Beziehung, die jedoch durch das zwiespältige Verhältnis von Boone zu seiner Stiefschwester Shannon zerrüttet und auf die Probe gestellt wird und schließlich mit dem tragischen Tod Boones endet. Auf ihrem Youtube-Kanal erklärt die Autorin der Fanfiction und des -vidding ihre Mangelerfahrung, die sie beim Schauen der Serie erlebt hat und die sie zum Kreieren der neuen Figur veranlasst hat:

“[…] This OC was born from the fact that Boone, in all his hotness, never got any love on the island. So I created Riley (Rachel McAdams), a sarcastic former storm-chaser who finds life on the island quite easy when she has people to share it with.”

Die erfundene Figur Riley wird im dazugehörigen Video durch Rachel McAdams verkörpert, bzw. durch den Zusammenschnitt verschiedener Sequenzen aus Filmen, in denen die Schauspielerin mitwirkt (u.a. aus “The Time Traveler’s Wife”, “The Notebook”, “The Lucky Ones”). Die Ausschnitte von Ian Somerhalder stammen, außer vereinzelter Ausnahmen von Sequenzen seiner Rolle in “Vampire Diaries”, aus Filmmaterialien der Serie “Lost”. Obwohl beide Schauspieler nie in demselben Film bzw. Serie mitgewirkt haben, wird, durch die geschickt angepasste Belichtung der jeweils zusammengeschnittenen Teile, die Illusion erzeugt, dass beide Rollen, Riley und Boone, tatsächlich miteinander agieren.

Da die Figuren bzw. die Schauspieler dies jedoch nie in Wirklichkeit taten, sind die Szenen jeweils so geschnitten, dass der eigentliche Partner in den Sequenzen wenig oder gar nicht erkennbar wird. Dadurch, dass der tatsächliche Film-Partner nicht konkret, sondern nur ansatzweise erscheint (indem beispielsweise nur den Hinterkopf oder das Haar sichtbar ist), wird dem Zuschauer glaubhaft gemacht, es handele sich bei der jeweils anderen Person tatsächlich um Ian Somerhalder bzw. Rachel McAdams.
Die zum Fan-Video ausgewählten Musiktitel aus dem Genre Pop- und Rock-Balladen unterstreichen dazu die romantischen, dramatischen und traurigen Szenen zwischen Boone und Riley.

Wie Jenkins bereits in seinem Blogbeitrag feststellte, sind Fan-Videos, die eine Constructed Reality darstellen, selten, da sie schwer umsetzbar sind. Der Großteil an Fanvidding ist lediglich ein Zusammenschnitt bestimmter Darsteller innerhalb derselben Serie, wobei die Beziehungen oder Handlungsstränge nicht verändert, sondern lediglich “zusammengefasst” werden. “Boone and Riley” ist, meiner Ansicht nach, ein treffendes Beispiel, sowohl für Constructed Reality, als auch für Crossover. Zudem vermittelt die hier vorhandene Verbindung zwischen Fanfiction und Fanvidding einen Eindruck über das hohe Maß an Fan-Engagement, das “Lost”, selbst nach Beendigung der Serie, mit sich gezogen hat.

Das “Fan”omen Minecraft

 

Das „Fan“omen Minecraft

Das Onlinespiel „Minecraft“ wurde im November 2011 von dem Gründer der Mojang AB, Markus Persson, ins Leben gerufen, der bis dato über 18 Millionen Exemplare des Spiels über die offizielle Webseite „minecraft.net“ verkauft hat.
Das Spielkonzept basiert auf nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, die es dem Spieler erlauben, im ‚Lego-Stil‘ aus quadratischen Würfeln alles Erdenkliche zu bauen. In der subjektiven „first-person“ Ansicht kämpft sich der Spieler nachts durch beispielsweise Urwald, Wüste oder Schnee und muss im sogenannten „Survival Mode“ um sein Überleben kämpfen. Dies meistert er mit Hilfe der Basisgegenstände im Spiel, aus denen er Waffen, Nahrung und Baumaterialien erstellt („crafting“ genannt). Im „Creative Mode“ hingegen kann der Spieler seiner Kreativität freien Lauf lassen und sich auf das Bauen konzentrieren. Es steht stets die Möglichkeit zur Verfügung, online mit anderen Spielern auf Servern, die durch Namen und Passwörter gesichert sind, zu bauen oder um das Überleben der Gruppe zu kämpfen.
Die Medienwissenschaftlerin Britta Neitzel nennt mehrere Typen der Involvierung des Spielers in ein Onlinespiel. Durch anfängliche Quests und Missionen wird das Kennenlernen und Weiterführen des Spiels gesichert, der Spieler wird also aktional in das Spiel Minecraft involviert. Audiovisuell findet bei Minecraft eine besondere Involvierung statt, da der Spieler frei zwischen verschiedenen Interfaces wechseln und die 3D-Landschaft spielintern nach seinen Vorlieben gestalten kann. Das Angebot der Interaktion mit anderen Spielern über das Onlinesystem von Minecraft fördert eine soziale Involvierung und bindet den Spieler an die Onlinewelt, da dieser geknüpfte Kontakte nur schwer aufgeben möchte.
Die Gestaltungsfreiheit von Minecraft macht sind insofern bemerkbar, dass die Spieler das Spiel nutzen, um aus diesem bekannte oder erfundene Spiele zu entwerfen, die man in Minecraft spielen kann. Beispielsweise erstellen Nutzer einen Server, auf dem Schach gespielt werden kann, allerdings stets im Rahmen von Minecraft. Somit lädt die Freiheit des Nutzers diesen dazu ein, Kreativität im Spiel auszuleben. Es eröffnet sich die These, dass Minecraft-Spieler nicht nur Konsumenten sind, sondern auch interaktiv mit dem Spiel in Beziehung treten. Dies geht noch weiter als bei anderen Videospielen, in denen der Spieler einen vorgegebenen Weg bestreiten muss, denn in Minecraft erfährt der Spieler in direktem Bezug seine Macht, die er gegenüber dem Spiel hat, indem er selbst die spielinterne Welt nach seinen Vorstellungen grenzenlos verändern kann. Teilweise werden auf bestimmten Servern Regeln aufgestellt, um eine gewisse Spielerfahrung zu ermöglichen, die nur von den Nutzern und nicht von Minecraft selbst gewollt ist, wie beispielsweise an dem Schach-Server deutlich wird. Dort werden, um teilzunehmen, die allgemeinen Regeln des Schach-Spiels vorausgesetzt, die jedoch von Seiten Minecrafts nicht einmal erwähnt werden. Diese Freiheit in der Erstellung eigener Regeln regt den Spieltrieb der Nutzer an und ermöglicht den förderlichen Gebrauch ihrer Phantasie.
Der Spieler von Minecraft ist nicht nur Spieler, er ist auch gleichzeitig Fan des Spiels. Belegen lässt sich dies, wenn man das Spielverhalten des Spielers mit dem Fanverhalten eines Serienfans vergleicht. Die Serie bietet eine vorgegebene Struktur audiovisuellen Materials, dessen fantypische Veränderung sich in „Fanfiction“ verdeutlicht. In Minecraft kann das Fanverhalten nicht von der eigentlichen Spielweise abgegrenzt werden, da diese eine Veränderung der Spielwelt voraussetzt und den Spieler somit in seiner Fankreativität anzettelt, das Spiel nicht nur zu konsumieren, sondern möglichst kreative Dinge daraus zu erstellen.
Gezeigt werden diese Dinge meist auf YouTube, wo sich Spieler Inspirationen für eigene Projekte holen, Anfragen stellen, um einem Server beizutreten oder einfach nur ein sogenanntes „Let’s Play“ rezipieren und anderen Spielern beim Spielen zuschauen. Das Erstellen solcher Videos, in denen Projekte vorgestellt werden, findet so großen Anklang bei den Spielern, dass es bereits Fans von bestimmten YouTube-Kanälen, wie zum Beispiel „Gronkh“ gibt, der bereits circa 3,5 Millionen Abonnenten seiner Videos besitzt. Hier macht sich eine gewisse Fan-Hierarchie bemerkbar, die sich insofern äußert, dass die Youtuber selbst auch Fans des Spiels Minecraft sind, ihnen jedoch auch viele andere Minecraft-Fans untergeordnet sind. Alle vereint, dass sie Fans von Minecraft sind, jedoch ordnen sie sich hierarchisch nach Spieltalent und Charakterzügen an.
Das Phänomen Minecraft setzt sich folglich aus den Bausteinen Kreativität und sozialem Verhalten zusammen. Kreativität, die permanent vom Spieler verlangt wird und ihm das Gefühl gibt, sich das Spiel zu eigen zu machen, kombiniert mit dem Vorführen der eigenen Kreationen spielintern auf den Servern und spielextern mit Hilfe von entsprechenden YouTube-Kanälen, macht Minecraft zu einem Spiel, das das kreative Verhalten eines Fans im „gameplay“ imitiert und den Spieler so an sich bindet. Letztendlich geht es nicht nur darum, Kreativität auszuleben, sondern auch in der Fanhierarchie nach oben zu steigen, also stets spektakuläre Bauten oder erfundene interne Minispiele zu präsentieren, die den jeweiligen Spieler in der Community Ansehen verschaffen.
Schlussfolgernd sind Minecraft-Spieler in einem System von Fankreativität befindlich und empfinden dieses (Spiel-)Gefühl als Bestätigung ihrer Kreativität und folglich ihrer Persönlichkeit.

Literaturverzeichnis

Beil, Benjamin: Game Studies – eine Einführung. Lit Münster, 2013.

Kaminski, Winfred: Spielerischer Ernst oder ernste Gefahr? Funktionen und Dysfunktionen digitaler Spiele. In: Bohrer, Clemes; Schwarz-Boennecke, Bernadette (Hrsg.): Identität und virtuelle Beziehungen im Computerspiel. Kopaed München, 2010.

Webverzeichnis

Offizielle Minecraft Webseite
https://minecraft.net/

Minecraft Wiki
http://minecraft-de.gamepedia.com/Minecraft_Wiki

YouTube User „Gronkh“
https://www.youtube.com/user/Gronkh

Videoverzeichnis

YouTube Video Minecraft-Schach
https://www.youtube.com/watch?v=Zrw5LhxL4yE

Slash – Harry Potter

Fankulturen entstanden bereits „gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext des amerikanischen Konzert- und Opernbetriebs“ (Krewani 2012: 233). Während Fanaktivität lange Zeit nur in Fanclubs Ausdruck fand, bietet das Internet heutzuta-ge nahezu grenzenlose Möglichkeiten (vgl. Krewani 2012: 233). Zu beinahe jeder Geschichte aus Fernsehserien, Filmen oder Büchern gibt es unzählige Blogs, Fo-ren und Fanseiten.
Die verschiedenen Fangruppierungen sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während manche Fankulturen klein sind und nur wenige Begeisterte umfassen, sind andere, wie etwa der Kult um die Film- und Fernsehserie „Star Trek“ sehr ver-breitet (vgl.Krewani 2012: 234). Auch die Buch- und Filmreihe „Harry Potter“ stieß von Anfang an auf viel Anklang.
Einen zentralen Bestandteil der Fankulturen macht die Productivity/ Participa-tion aus. Dabei werden die Fans selbst produktiv und erstellen weitere Bedeu-tungsproduktionen zu Filmen, Büchern oder Serien (vgl. Krewani 2012: 234). Ne-ben Fankunst und Fanaktivismus, können Fans vor allem in der Fanfiction kreativ werden. Fanfiction meint die Erstellung neuer Geschichten, welche auf „pre-existing characters and settings from a literary or media text“ (Tosenberger 2008: 185) zu-rückgreifen. Ihre Geschichten veröffentlichen die Autoren anschließend häufig im Internet.1 Mittels Fanfiction können die Fans von der originalen Vorlage abweichen und beispielswese das Ende nach ihren Vorstellungen umschreiben. Auch romanti-sche Beziehungen zwischen den Charakteren sind ein beliebtes und verbreitetes Thema.
Dabei kommt es häufig auch zu homosexuellen Romanzen. Diese werden als Slash bezeichnet. „The term “slash“ arose in Star Trek fandom in the 1970s, refer-ring to the punctuation mark separating the character’s names (Kirk/ Spock)“ (Tos-enberger 2008: 186). Während slash weithin für gleichgeschlechtliche Beziehungen verwendet wird, wird der Ausdruck teilweise auch für andere (etwa heterosexuelle) Paarungen genutzt (vgl. Tosenberger 2008: 186). Vor allem unter Harry Potter Fans ist Slash ein weit verbreitetes Phänomen:
„Potter fandom, due in part of its sheer size, but also to the great diversity of ages and sexual orientations of its members, is ideal ground for exploring many varieties of non-heteronormative discourses in fandom. Slash is there-fore one of the most popular genres of Potter fanfiction” (Tosenberger 2008: 186).
Buddyslash, Enemyslash und Femslash sind die gängigsten Formen des Slash. Buddyslash umschreibt jene Beziehung, die zwei Freunde, beispielsweise Harry Potter und Ron Weasley, entwickeln. Beim Enemyslash hingegen können zwei Feinde ihre Differenzen überwinden, etwa Harry Potter und Draco Malfoy. Die Paarung Hermione Granger und Ginny Weasley ist ein Beispiel für Femslash, also einer gleichgeschlechtlichen Liebe zwischen zwei Frauen (vgl. Tosenberger 2008 191f.).
Die Geschichte um Harry Potter scheint aufgrund der vielen Charaktere prä-destiniert für Neukonstellationen bezüglich romantischer Beziehungen. Die Autorin J. K. Rowling selbst inspirierte die Fans dazu, indem sie den Zauberer Dumbledore unterschwellig als homosexuell beschrieb. Während einige Fans dies schon lange ahnten, wehrten sich andere gegen die Vorstellung. Letztlich bestätigte Rowling Dumbledores Homosexualität. Rowling habe “immer gedacht, dass Dumbledore schwul ist” (Rowling zit. nach Streitz 2007). Dabei bleibt es fraglich, ob Rowling den Charakter Dumbledore außerhalb des Buches als homosexuell outen kann. Einer-seits ist es eine Hintergrundinformation für die Fans und trägt vermutlich nicht ex-plizit zum Geschehen bei. Allerdings wenn die Autorin so genaue Vorstellungen über die sexuellen Vorlieben des Charakters hat, kann sie dies auch deutlich schreiben.
Die enorme Beliebtheit des Slash in der Harry Potter Fankultur könnte an der hohen Zahl der Mitglieder liegen. Wie oben erwähnt, zählen Menschen unterschied-lichen Altersgruppen und sexueller Orientierung zu den Harry Potter Fans.
„The enormous number of people participating in the online fandom almost guarantees that however outré your fanfictional desires, someone will share them—and will have written a story, or be willing to read yours”(Tosenberger 2008: 191).
So ist es letztlich jedem Fan möglich, eine Nische zu finden, in der die per-sönlichen Interessen bedient werden.
Während romantische oder erotische Fanfiction früher nur Erwachsenen zu-gänglich war, etwa über E-Mail-Verteiler, haben durch die öffentlichere Verbreitung im Internet heute auch Teenager Zugang zu solcher Fan-generierter Literatur. Das macht sie natürlich nicht nur zu Lesern, sondern auch zu Schreibern. „Teens have unprecedented license not only to read stories that might not meet with adult ap-proval, but also to write and distribute them“(Tosenberger 2008: 188). Dabei sind oftmals Frauen die Verfasser von Slash-Fanfiction (vgl. Tosenberger 2008:189).
Natürlich ist Slash nicht nur unter Harry Potter Fans verbreitet, allerdings stellt die Geschichte viele Charaktere zur Verfügung, aus denen neue Paarungen erstellt
werden können. Darüber hinaus ist es nahezu jedem Fanfiction-Autor, aufgrund der großen Fangemeinschaft, möglich, Gleichgesinnte zu finden. Die Geschichte des Zauberers bietet so nicht nur Slash-Autoren, sondern jedem Verfasser von Fanfic-tion, fast grenzenlose Möglichkeiten.

Lisa Roßmann

Literaturverzeichnis:
1. Tosenberger, Catherine: Homosexuality at the Online Hogwarts: Harry Potter Slash Fanfiction. In: Children’s Literature, Volume 36, 2008, S. 185-207.
2. Krewani, Angela: Fankulturen im Web 2.0. In: Dörner, Andreas/ Vogt, Ludgera (Hrsg.): Unterhaltungsrepublik Deutschland – Medien, Politik und Entertainment. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 2012. S. 233-245.
3. Streitz, Matthias: Zauberer-Outing – Dumbledore ist schwul. In: Spiegel Online. 20.10.2007 URL: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/zauberer-outing-dumbledore-ist-schwul-a-512613.html (Stand: 04.03.2015)

Game of Thrones – A Telltale Games Series

Die Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin erfreut sich großer Beliebtheit. Seit 1996 sind mittlerweile fünf Bände in der englischen Originalfassung erschienen und zwei weitere sind geplant. Die HBO-Fernsehserie „Game of Thrones“, die auf den Büchern basiert, ist in den USA mit 18,4 Millionen Zuschauern pro Woche beliebter als „Die Sopranos“ (1) und somit die erfolgreichste Fernsehserie im amerikanischen Pay-TV. Aufgrund des großen Erfolgs erschienen in den letzten Jahren zahlreiche Nebenprodukte, wie Novellen, Graphic Novels, Comics, Merchandising-Produkte und auch Spiele. Neben Brett-, Rollen- und Kartenspielen sind bis heute vier Computerspiele erschienen: Das Echtzeit-Strategiespiel A Game of Thrones: Genesis (Cyanide Studio, 2011), das Rollenspiel Game of Thrones (Cyanide Studio, 2012), das Browserspiel Game of Thrones: Ascent (Disruptor Beam, 2013) und das Adventure-Spiel Game of Thrones (Telltale Games, 2014). Letzteres wird Gegenstand dieses Artikels sein.

Game of Thrones von Telltale Games ist für Microsoft Windows, Mac OS X, Playstation 3 und Xbox 360 erschienen. Es basiert auf den Bücher Martins und ist in sechs Episoden unterteilt. Im Spiel wird die Geschichte des Hauses Forrester erzählt, welche an die Geschehnisse der dritten Fernsehstaffel anschließt.

„Based on HBO’s award-winning television drama, Game of Thrones – A Telltale Games Series tells the story of House Forrester, a noble house from the north of Westeros. Caught up in the events of The War of the Five Kings, they are placed in a precarious position where members of the household must do everything they can to prevent the house from meeting its doom.“ (2)

Das Spiel basiert hauptsächlich auf Point-and-Click-Aktivitäten, jedoch gibt es keinerlei Rätselelemente. Wie Telltale Games es auf ihrer offiziellen Homepage beschreibt, sind für das Spiel keine Computerspielerfahrungen von Nöten. Es ist so konzipiert, dass jeder das Spielprinzip leicht verstehen kann. Die Schwierigkeit des Spiels bestehe nicht darin, die Steuerung zu meistern, sondern schwierige Entscheidungen mit weitreichenden Folgen zu treffen (3). In den Dialogen muss der Spieler in kurzer Zeit zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten wählen, welche die weitere Handlung beeinflussen können. Etwas Abwechslung bringt das Spiel durch kleinere Quick Time Events und Szenen, in denen man sich frei bewegen und die Umgebung erkunden kann. Ähnlich wie andere Telltale Games, zum Beispiel The Walking Dead (2012) oder The Wolf Among Us (2013), ist Game of Thrones in mehrere Episoden unterteilt. Bisher wurde die erste Episode „Iron From Ice“ veröffentlicht, die weiteren fünf sollen im Abstand von vier bis sechs Wochen erscheinen (4).

Die vorherigen Spiele A Game of Thrones: Genesis und Game of Thrones erhielten von der Fachpresse und den Usern jeweils nur mäßige bis schlechte Bewertungen. Ersteres erhielt bei GameRankings eine Metawertung von 52,94% (5), bei Metacritic einen Metascore von 53 und einen User Score von 4,1/10 (6). Das zweite bekam eine Wertung von 57,30% (7) bzw. 58 und 6,4/10 (PC-Versionen) (8). Aufgrund dieser Ergebnisse entschied sich George R. R. Martin für Telltale Games, ein Studio, das für interessante Handlungen und spannende Atmosphäre in ihren Spielen bekannt ist. Studioleiter Colum Slevin führte die emotionale und erzählerische Wirkung, ähnlich wie im Film, als Hauptaugenmerk für die Entwicklung an:

“Everyone is focused on trying to make games look as sophisticated as films, as opposed to trying to make games be as emotionally and narratively resonant as film, which is a whole different challenge.” (9)

Martins persönlicher Assistent Ty Corey Franck arbeitete bei der Entwicklung des Spiels als Berater mit, um dem hohen Anspruch an erzählerischer Tiefe zu gewährleisten. Das Spiel erhielt durchweg gute Wertungen, 75,20% (10) bei GameRankings, einen Metascore von 75 und eine Userwertung von 7,4/10 (11) bei Metacritic. User ziffgetsmeta schreibt:

„Telltale does an amazing job of taking the emotional experience of watching/reading GOT and turning it into a playable story that feels fresh, yet familiar.“ (12)

Mit dem Fokus auf der Narration anstatt dem Gameplay hat Game of Thrones das geschafft, was die vorherigen Titel nicht vermochten: die emotionale Spielerbindung, wie sie auch die Bücher bzw. die Serie erzeugen. Durch die direkte Mitarbeit des Assistenten von George R. R. Martin und die Unterstützung von HBO ist es Telltale Games gelungen, aus der Serie bzw. den Büchern ein Spiel zu entwickeln, das eins zu eins in das Martin’sche Universum passt. Der Spieler wird nicht nur Zeuge von Verrat, Mord, Ungerechtigkeit oder schockierenden Wendungen, sondern kann die Entwicklung auch direkt beeinflussen, wodurch es zu einer noch persönlicheren Bindung an die Geschichte und die Charaktere kommt. Nicht umsonst wirbt das Spiel mit dem Slogan: „Your Story Begins“. Eine selbstbestimmte Geschichte im Game of Thrones-Universum, was kann sich ein Fan mehr wünschen?

 

(1) http://www.spiegel.de/kultur/tv/game-of-thrones-hbo-ist-erfolgreicher-als-sopranos-a-973741.html (03.03.15)

(2) https://www.telltalegames.com/gameofthrones/about (03.03.15)

(3) https://www.telltalegames.com/gameofthrones/faq (03.03.15)

(4) https://www.telltalegames.com/gameofthrones/faq (03.03.15)

(5) http://www.gamerankings.com/pc/998868-a-game-of-thrones-genesis/index.html (03.03.15)

(6) http://www.metacritic.com/game/pc/a-game-of-thrones-genesis (03.03.15)

(7) http://www.gamerankings.com/pc/642431-game-of-thrones/index.html (03.03.15)

(8) http://www.metacritic.com/game/pc/game-of-thrones (03.03.15)

(9) http://www.gamespot.com/articles/george-r-r-martin-s-assistant-working-with-telltale-on-game-of-thrones/1100-6419276/ (03.03.15)

(10) http://www.gamerankings.com/pc/894140-game-of-thrones-episode-one-iron-from-ice/index.html (03.03.15)

(11) http://www.metacritic.com/game/pc/game-of-thrones-episode-one—iron-from-ice (03.03.15)

(12) http://www.metacritic.com/game/pc/game-of-thrones-episode-one—iron-from-ice (03.03.15)

 

LOST Fanvidding

Lost Fanvidding

Neben den Fanfictions spielen in der Fan-Community auch Fan-Videos (engl. “Fanvidding”) eine bedeutende Rolle. Auf diese Art und Weise können sich die Fans nicht nur in schriftlicher Form mit den Serieninhalten auseinandersetzen, sondern auch in visueller Form. Selbstgeschnittenes Szenenmaterial und ausgewählte Musik werden zusammengefügt und lassen so neben Zusammenschnitten von beliebten Szenen auch neue Kontexte und alternative Geschichten im Lost-Universum entstehen.

In der Lostpedia ist ein Eintrag zu diesem Thema zu finden, der sich ausführlich mit dem Thema auseinandersetzt und  in diesem Zusammenhang die Fanseite Lost Video Island nennt, bei der es sich um eine Multi Fandom Video Seite handelt. Sie bietet Raum für jegliche Art von Fandom-Videos und veranstaltet in regelmäßigen Abständen themenbasierte Konteste. Seit ihrer Entstehung im November 2004 wurden über 8000 Beiträge gepostet. Auch Lost ist als eines der insgesamt 320 Fandoms vertreten und in Kategorien ‘by Fandom’, ‘by Character’, ‘by Ship’ und ‘by Category’ unterteilt. In der Kategorie ‘by Artist, Song, Award’ lässt sich die Suche auch nochmal in Videos einteilen, die es zu größerer Beliebtheit gebracht haben.

Anlässlich des 10-jährigen Lost-Jubiläums wurde im Dezember 2014 der Lost Video Island’s 10th Anniversary-Contest ins Leben gerufen. Ein Videobeispiel dazu findet sich hier.

 

Minecraft Peripherie – Linksammlung

Minecraft LinksammlungMinepedia

Die Beliebtheit von Minecraft spiegelt sich in unterschiedlichstem user-generierten Content im Internet wider.  Von Fanfiction bis Skinsammlung ist alles dabei. Um einen kleinen Überblick zu verschaffen hier ein paar der einschlägigsten und hilfreichsten Internetseiten zum Thema Minecraft.

Wikis / Foren / Blogs

Bei einem Spiel wie Minecraft, was auf einfachen Regeln beruht und den Spieler in eine nahezu “unberührte” Welt setzt, ist es ihm überlassen zu entscheiden, was zu tun ist. Logische Konsequenz von umfangreichen Openworld Multiplayer Spielen sind gut ausgestattete Wikis und Foren, um sich zu jedem erdenklichem Zweck Ratschläge einzuholen oder einfach nur neue Mitspieler zu finden. Baupläne, Ideen und Diskussionen findet man in unzähligen Foren.

Einschlägige offizielle und inoffizielle Foren sind zum Beispiel:

http://www.minecraftforum.net/

http://minecraft.de/

http://www.reddit.com/r/Minecraft/

http://www.planetminecraft.com/

Neben der wahrscheinlich am höchsten frequentierten Wiki Minecraft Wiki gibt es auch kleinere Wikiprojekte auf Fanbasis wie Minecraftopia.

Sammlungen / Galerien / “DLC”

Neben den großen Foren existiert eine vielzahl an Blogs, die gesammelte Neuigkeiten, Ideen und eigenen ingame-content präsentieren. Hier kann sich der Spieler jede Menge Ideen für unterschiedlichste Gebäude anschauen. Andere wiederrum sammeln Projekte von Spielern, um sie auf ihrer Seite zu präsentieren, um Helfer zu finden oder einfach nur Bewunderung einzuheimsen.

Modsammlungen, Texturpack-Portale, und Skinbibliotheken gehören zu wichtigen Werkzeugen der Minecrafter und sind aus der Spiel-Peripherie nicht mehr wegzudenken.

Neben Server-, Mod-, Skinorganisation und vielem anderen, was über Foren und Blogs geregelt wird, gibt es Seiten, die ihr Augenmerk nur auf einen Aspekt legen.

Bildergalerien wie diese oder diese dienen lediglich dem Sammeln und “Ausstellen” von von Spielern eingereichten Gebäudeabbildungen oder ähnlichem.

Videos

Videos mit Inhalten, die mit Minecraft zu tun haben, sind gefragt wie von kaum einem anderen Videospiel. Dieser Artikel zeigt, dass Minecraft-Videos auf Youtube mit 2,5 Milliarden Klicks pro Monat deutlich gefragter sind als Videos des zweitplatzierten Spiels GTA V, mit “nur” 750 Millionen Klicks pro Monat.

 

Nähere Betrachtung des Themas Video im Bereich Minecraft findet in einem anderen Artikel statt.

Andere Blickwinkel bieten unzählige Artikel und Essays, die mittlerweile zum Thema Minecraft veröffentlicht wurden. Ob Minecraft im Matheunterricht oder Teambuilding in Minecraft, die Liste der Anwendungsbereiche ist lang.

Uni Marburg Katalogsuche mit Stichwort ‘Minecraft’

Alles in allem lässt sich ziemlich sicher sagen, dass die Minecraftcommunity ein riesiges Netzwerk hilfreicher Seiten zusammengestellt hat. Ultimativ weisen selbst noch so kleine spezifische Seiten zum Thema Minecraft auf andere hilfreiche Seiten hin.

 

 

 

 

 

Minecraft und die Videos

Minecraft lebt wie kaum ein anderes Spiel von den Videos, die Nutzer auf Plattformen, wie Youtube oder vimeo.com, hochladen. Wir haben hier mal einige Suchen gestartet, um eine erste Einschätzung davon zu gewinnen, wie viele Videos es zu Minecraft gibt. Daraus lassen sich dann einige Schlüsse über das Phänomen Minecraft ziehen. (Stand: 13.02.2015)

Traut man den Zahlen im Wikipedia-Artikel, so waren

Gesucht wurde zunächst auf Google nach Videos (in Klammern das Youtube-Suchergebnis):

Suchbegriff(e)                                         –                  Ergebnisse

minecraft                                                  –    ca. 38,8 Mio  (46,9 Mio)

 

minecraft, lets play                             –                ca. 13,8 Mio (8,51 Mio)

minecraft, tutorial                               -               ca. 5,05 Mio (1,67 Mio)

minecraft, mods                                   –                ca. 10,7 Mio

minecraft, fandub                                -               ca. 99.900

minecraft, lord of the rings            –               ca. 373.000

minecraft, counterstrike                   –               ca. 447.000

minecraft, harry potter                      –                 ca. 686.000

minecraft, music                                      –               ca. 922.000

minecraft, architecture                        –               ca. 119.000

 

 

Minecraft in der Bildung

Mit minecraftedu wird derzeit der Schulgebrauch von Minecraft beworben. Minecraftedu ist ein Zusammenschluss von teachergaming und mojang und hat es sich auf die Fahne geschrieben, kostengünstige und komfortable Lösungen zu bieten, Minecraft im Klassenverbund zu spielen. Hier geht’s zur Homepage.

Hier gibt es einen Link für Lehrende, die Interesse haben Minecraft in ihren Unterricht einzubeziehen, mit ausführlichen Anleitungen und einigen Beispielen aus der Unterrichtspraxis.

http://minecraftschule.de/

Konstruktionszeichnung

Neben diesem Beispiel einer ‘Konstruktionszeichnung’, die dann im Spiel umgesetzt wurde, findet sich auf der Seite auch eine spannende Schülerbefragung:

Umfrage
Klaus-Tycho Foerster bewirbt Minecraft als wirksame Unterrichtssoftware um mathematische Fragestellungen zur Raumgeometrie zu bearbeiten. Lest seine sehr interessante Einschätzung eines möglichen Einsatzes von Minecraft in der Sekundarstufe I  hier.

 Ebenfalls auf dieser Seite finden sich einige Links zu anderen Beiträgen, wie z.B. dieser Beurteilung seitens des Spieleratgebers-NRW.
Doch es gibt auch viele besorgte Stimmen, besonders in der Hinsicht auf die Zeit, die Kinder vor dem Spiel verbringen. Fragwürdig ist auch, wenn Minecraft bestimmte Fähigkeiten fördert, welche anderen Fähigkeiten eventuell vernachlässigt werden.  Hier ist ein Artikel einer besorgten Mutter, deren Töchter (und Ehemann) von dem Spiel absorbiert werden.